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SCHUTZ UND RETTUNG
Ein Musikabend in stabiler Seitenlage
Eine Produktion des Freischwimmer Festivals 09
Mit: Catriona Guggenbühl, Jeanne Devos, Mathias Weibel, Beatrice Fleischlin, Nikolai Bosshardt
Konzept und Regie: Thom Luz
Dramaturgie: Marcus Dross
Assistenz: Eveline Eberhardt
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Videobeitrag von Art TV
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Zitty Berlin, 14.10.2009:
Im Rahmen des Freischwimmer-Festivals 09/10 kreierte Thom Luz sein aktuellstes Stück mit dem Titel SCHUTZ UND RETTUNG. (...) Der Abend besticht und provoziert durch seine elegante Verweigerung plakativer Aussagen. Thom Luz zelebriert einen fein orchestrierten Rückzug in die Innenwelt der Art Brut. Ein harmonisches Zusammenspiel ambivalenter Wirklichkeiten.
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Tages – Anzeiger Zürich, 18.11.2009:
Wo ist hier bloss die Tür? Gibt es überhaupt eine? Und wenn ja, was blendet und verwirrt und zerstört mich vielleicht auf der anderen Seite? Drei Frauen und ein Mann zögern vor der imaginären Klinke in einem tristen Raum mit Tisch und Stühlen und mit einer kleinen Orgel am Rande, an der noch ein Mann sitzt. Was Thom Luz unter dem Titel «Schutz und Rettung - Ein Musikabend in stabiler Seitenlage» als vermeintlich bunten Abend annonciert, ist in Wahrheit ein verwirrender, verstörender, erhellender und manchmal schmerzhafter Gang in seelische Innen- und Unterwelten; und wenn die Protagonisten den Durchschlupf in die profane Realität gefunden haben, ist das ihr Verderben.
An Art-Brut inspiriert
Das angenehm beklemmende Stück des Zürchers ist eines von sechs der Plattform für junges Theater «Freischwimmer». Luz schickt nach Motiven der Art-Brut-Künstlerin Aloïse Corbaz, die 48 Jahre ihres Lebens in der Psychiatrie verbrachte, Menschen auf die Suche nach eben Schutz und möglichst Rettung. Fündig wird keiner von ihnen, weil alle nur in sich selbst suchen. Dazu klimpert dann und wann eine fies verstimmte Heimorgel italienische Sommersonnenlieder, von denen niemand ahnte, wie unversöhnlich sie klingen können.
Luz lässt einen beruhigenden, weil fast tennisplatzgrossen Raum zwischen dem Publikum und den Akteuren, doch wehe, wenn diese ihn durchschreiten. Wenn etwa eine der drei Frauen (Catriona Guggenbühl) den Graben zwischen sich und einem Mann (Nikolai Bosshardt) mit quälend unwillkommenen Umarmungen zu überwinden sucht und eine andere (Beatrice Fleischlin) irgendwann vor der ersten Reihe steht und verzweifelt in Gesichter starrt, minutenlang.
Der Standard, Wien, 02. Dezember 2009.
(...) Luz zeigt, wie sich die Innenwelt eines Menschen gegen die unaufhaltsame Sinnlosigkeit der Realität stemmt. In Träumen, Spielen und Selbstbefragungen generiert der mit seinen 27 Jahren schon sehr gefeierte Thom Luz Inhalte dieses Konflikts. Fünf Akteure tragen ihn auf breiter Bühnenfront aus: "Bin ich männlich?", "Bin ich schon 50 plus?", "Bin ich ein schwedischer König?", "Ich will nicht mehr leben, auf Wiedersehen, alles Gute, Salut!"
Schutz und Rettung besteht aus enigmatischen Szenenfolgen (nach einem sich wiederholenden Muster), deren Gewalt sich zwischen den Sätzen, im Ungesagten und im Unsichtbaren zeigt, vor allem auch in der Musik von Mathias Weibel. In der enormen atmosphärischen Dichte erinnert die filigrane, dünnwandige Performance gar an Christoph Marthalers Kunst.
Nachtkritik.de, 14.10.09
(...) Musikalisch gesittet geht Thom Luz das Festivalthema „SCHOCK“ an. Während die Heimorgen einen einlullt heisst es: „Um jemanden zu verstehen braucht es doch keine Sprache. Da reicht das Gefühl.“ Wer es glaubt wird hier selig.
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Wiener Zeitung, 04.12.09
(...) Augenscheinlich zeigt sich bei Thom Luz die Auseinandersetzung mit elementar menschlichen Themen. Seine Figuren kreisen um die Fragen: „Was kann ich wissen? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?“ Ein Mensch und zugleich mehrere Personen, oder eine Person und zugleich mehrere Menschen?
Die Verbindung zu Aloise Corbaz’ Leben und Werk scheint in diesem Zusammenhang klar und wurde vom Schweizer Kreativitätsforscher Gottlieb Guntern mit folgenden Worten kommentiert: „Innere und äussere Realität vermischen sich zu einem neuen Ganzen – nicht nur durch ihr Werk wurde sie zur Künstlerin, die Gestaltung dessen, was sie sein wollte, sie selbst wurde zum Kunstwerk, zu einer möglichen Flucht aus der Realität, zur Gestaltung einer neuen Wirklichkeit, welche aber nach wie vor in der einen bitteren Realität verhaften blieb. Dies beschreibt auch den Theaterabend aufs trefflichste.
(...)
Beachtlich ist dabei Luz’ Rhytmisierung in mehreren Sphären: Die Sprache wird zum Metronom einer musikalischen Dichtung, welche jedes noch so kleine Element des Arrangements zur Geltung bringt.
