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PATIENCE CAMP

Eine Produktion des Treibstoff Festivals 07

Mit: Phil Hayes, Cathrin Störmer, Cornelia Lüthi, Corsin Gaudenz

Konzept & Regie: Thom Luz

Kostüme & Licht: Tina Bleuler

PATIENCE CAMP  hatte am 11. September 07 Premiere in der  Kaserne Basel, gastierte an der Roten Fabrik Zürich und wurde ans Theaterformen Festival 09 in Hannover eingeladen

 

Die missglückte Antarktis-Expedition von Henry Shackleton ist Anlass für das geglückte Regiedebüt von Thom Luz.

 Von Thomas Bodmer

Stellen Sie sich vor, im «Stellenanzeiger» des «Tages-Anzeigers» stünde folgendes Inserat: «Männer gesucht für riskante Reise. Bescheidene Bezahlung. Bittere Kälte. Lange Monate in völliger Dunkelheit. Ständige Gefahr. Sichere Heimkehr zweifelhaft. Ehre und Anerkennung nur im Erfolgsfall.» Würden sich darauf wohl viele Männer melden?

Doch genau so lautete das Inserat, das der Polarforscher Henry Shackleton 1913 in der «London Times» aufgab, und er erhielt 5000 Antworten. Shackleton teilte sie in drei Kategorien auf: «verrückt», «hoffnungslos», «halbwegs denkbar». Sein Ziel war, die Antarktis zu Fuss zu durchqueren, und 1914 stachen er und seine Mannschaft mit der Endurance in See. Bald sass das Schiff im Packeis fest, zehn Monate später wurde es von diesem zerdrückt.

Aus diesem traurigen Stoff hat der 1982 geborene Schauspieler und Musiker Thom Luz sein erstes Stück gebaut, das in der Kaserne Basel mit grossem Erfolg uraufgeführt wurde. Immer wieder lesen die Darsteller (darunter die Tänzerin Cornelia Lüthi und der Schauspieler und Tänzer Corsin Gaudenz) aus Shackletons Logbuch, den Tagebüchern und Briefen der Mannschaft vor. Und wenn es allzu trübselig zu werden droht, singen sie Lieder von Schubert, Daniel Johnston und Arcade Fire.

Das Bühnenbild ist minimalistisch: eine frei stehende Tür, eine festgeschraubte Gitarre, ein Harmonium, drei Holzböcke - fertig. Ein wichtiges Requisit ist dafür die Schneemaschine: In einer der komischsten Szenen versucht die Schauspielerin Cathrin Störmer («Absolut Züri»), sich im Schneesturm eine Zigarette anzuzünden.

Überhaupt ist die Komik entscheidend dafür, dass der Abend seinem finsteren Thema zum Trotz ein Genuss wird. Grossartig etwa, wie der Engländer Phil Hayes als Shackleton Bilanz zieht: «Wir sind gefangen. Gut. Niemand weiss, wo wir sind. Gut. Also wird uns niemand suchen kommen. Gut.» Aber er hat ja schon zu Anfang des Stücks gesagt: «Es gibt so viele Gründe, traurig zu sein, da kann man geradeso gut fröhlich sein.» Und so gelingt es ihm sogar, den Sensenmann abzuwimmeln, der ihm im Packeis stumm die Aufwartung macht.

                                                             Züritipp, 12.03.2008

 

 “Coolness als moderate Ironie. Der Zugriff, der hier diesen Bühnen-Effekt erzeugt ist neben der inhaltlichen und szenischen Reduktion eine entschiedene Kühle: eine Coolness, die als moderate Ironie den Plot souverän nutzt und sehr (be)greifbar macht, indem er seine brutale Grösse und Dramatik herunterbuchstabiert auf kleine, klare Zeichen”.

 

                                                        - Basellandschaftliche Zeitung, 13. 9. 2007

 

“Allein die Stimme Cathrin Störmers bietet schon einen Anlass für Standing Ovations; kraftvoll-heiser schildert sie das Todlangweilige. Überhaupt wünscht man sich öfter Stücke, die sprachlich so exquisit sind wie “Patience Camp”. Regisseur Thom Luz hat ein Gespür fürs Skurrile. Ein 70-Minuten-Glanzstück, in dem es keinen Dialog der Schauspieler untereinander gibt, sondern frontale Kurzansprachen und und Tagebuchlesungen der gescheiterten Polarforscher”.

 

                                                        -Basler Zeitung, 14.9.2007

 

 ‘“Das Stück ist jedoch nicht nur völlig minimalistisch in seiner Gestaltung, gleichzeitig ist es raumgreifend, ja sogar barock, ein Spiel mit den Mitteln des Theaters, stets augenzwinkernd bei aller Dramatik (…)

Es ist dieser Minimalismus, der das Stück auszeichnet, und die Perfektion der Schauspieler.

Unterhaltsames Erzähltheater, höchst modern inszeniert -

Grosser Beifall für eine gelungene Inszenierung”.

 

                                                        -Badische Zeitung, 13.9.2007